Chronik 2017

Gewässerwoche Jaderegion

 

Die Schlossgraft zu Jever als Lebensraum

1. Dienstag, 16. Mai 2017, 18 Uhr

Treffpunkt: Schlosshof Jever; Teilnahme kostenlos

Veranstaltung von Schlossmuseum Jever und WAU

 

Einblick in die Welt des Winzigen: Untersuchung von Plankton aus verschiedenen Gewässern (Nordsee; Speicherpolder, Kolk Horumersiel)

2.. Mittwoch, 17. Mai 2017,  15:00  - 17 Uhr

Ort: Forschungsstation Wattenmeer auf dem Campinggelände in Schillig,

Teilnahme: kostenlos

Zugang zur Forschungsstation über Parkplatz Campingplatz Schillig (für Pkw gebührenpflichtig) oder zu Fuß (gebührenfrei) über den Eingang beim Minigolfplatz (Deichschart Schillig; etwa Ortsmitte)

Veranstaltung von Nationalparkhaus Wangerland und WAU

 

Einblick in die Welt des Winzigen: Untersuchung von Plankton aus verschiedenen Gewässern (Nordsee; Speicherpolder, Kolk Horumersiel)

 

3. Samstag, 20.Mai 2017, 11:00 – 13 Uhr

 

Forschungsstation Wattenmeer auf dem Campinggelände in Schillig

Teilnahme: kostenlos

Zugang zur Forschungsstation über Parkplatz Campingplatz Schillig (für Pkw gebührenpflichtig) oder zu Fuß (gebührenfrei) über den Eingang beim Minigolfplatz (Deichschart Schillig; etwa Ortsmitte)

Veranstaltung von Nationalparkhaus Wangerland und WAU

 

Vogelkundliche Exkursionen am Wangermeer

 

4.. Samstag, 20. Mai 2017,  um 14.30 und um 16 Uhr

 

Treffpunkt: Ostufer Wangermeer, Grimmenser Straße

Teilnahme kostenlos, nach Möglichkeit Ferngläser mitbringen

Veranstaltung von Nationalparkhaus Wangerland und WAU

 

Foto: M. Menke

Die Baumscheibe der gefällten Blutbuche erinnert als letztes Zeugnis an einen beeindruckenden Baum im Schlosspark. Sie bot für  Werner Menke einen guten Standort für seine Ausführungen zum Tag des Baumes.

Internationaler Tag des Baumes am 25.04.2017

Nicht weit entfernt von der im Februar mit großem Aufwand beseitigten eindrucksvollen Blutbuche im Schlosspark hatte bis in die 1950er Jahre ein noch mächtigerer Baum gestanden: die Friedrich-August-Buche, die ihren Namen nach dem letzten Oldenburger Großherzog erhalten hatte.

Merkwürdigerweise war diese Namensgebung allerdings erst im Oktober 1919 erfolgt, also nicht einmal ein Jahr, nachdem die Monarchie in Deutschland beendet und alle regierenden Fürsten abgesetzt waren.

Dass einflussreiche Jeveraner gleich zu Beginn der  Weimarer Republik  an ihren letzten Großherzog erinnern wollten, darin kann man durchaus auch ein Indiz sehen für die geringe Akzeptanz, auf die die neue Staatsform in Teilen des Bürgertums stieß.

Auf solche Zusammenhänge wies Werner Menke auf einem Rundgang hin, den die Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU) und der Jeverländische Altertums- und Heimatverein gemeinsam am Dienstag,  25.  April, dem  Internationalen Tag des Baumes, angeboten hatten. Gut ein Dutzend Teilnehmer hatten sich zu diesem Gang zu jeverschen Erinnerungsbäumen eingefunden, der im Schlosspark begann und als Nächstes zu den Kriegerdenkmalen führte. Die beiden Stieleichen, die hinter dem Obelisken stehen, der an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 erinnert, sind Teil dieses Denkmals, sie wurden zur Denkmalserrichtung am 10. Mai 1873 gepflanzt.

Mehr als 150 Jahre später, am 3. Mai 1995,  setzten Mitglieder der SPD-AG 60+ an der Blankgraft eine Linde, die an die drei  mutigen Jeveraner erinnern sollte, die am 3. Mai 1945 am Schlossturm eine weiße Fahne gehisst hatten. Sie hatten wie viele andere Bürger befürchtet, dass die Stadt bei sinnlosem Weiterkämpfen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zerstört werden könnte.

Der Bismarckeiche am Kirchplatz – auch botanisch von Interesse, weil sie eine der wenigen Traubeneichen in unserer Region ist, in der die Stieleiche dominiert – galt als nächstes die Aufmerksamkeit. Gepflanzt 1895 zum 80. Geburtstag Bismarcks musste sie schon im Folgejahr durch einen neuen Baum ersetzt werden, weil Baumfrevler sie stark beschädigt hatten. Das ursprünglich um sie angebrachte kunstvolle eiserne Ziergitter mit einem Medaillon, das ein Kopfporträt   Bismarcks trug, überdauerte nicht bis in unsere Zeit. Erst 2013 wurde ein neues Gitter angebracht mit einem neuen Medaillon.

Noch original ist dagegen die Plakette mit dem Kopfbild Friedrich Schillers an der Schillerlinde, die zum 100. Todestag des Dichters am 10. Mai 1905 zwischen Pferde- und Duhmsgraft gesetzt wurde. Das Zitat aus dessen Schauspiel ‚Wilhelm Tell‘ ist Ausdruck der Vaterlandsbegeisterung der Zeit: „Ans Vaterland, ans teure schließ dich an, / Das halte fest mit deinem ganzen Herzen.“

Nur wenige Meter entfernt steht der jüngste Erinnerungsbaum Jevers – derzeit noch ein kleines Bäumchen, dazu noch ein etwas ‚exotisches‘: eine Ungarische Eiche. Sie ist ein Geschenk der Stadt Zerbst, das deren damaliger Bürgermeister Dittmann zum 25. Jahrestag der Städtepartnerschaft im Oktober 2015 überbrachte. Dem Baum, dessen besondere Kennzeichnung durch eine Plakette  noch aussteht, und der Partnerschaft  ist ein langes und gutes Gedeihen zu wünschen.

Auch am Schlosserplatz finden sich Gedenkbäume, der älteste ist die  ‚Völkerschlachtseiche‘, die am 18. Oktober 1863 zum 50. Jahrestag der entscheidenden Schlacht  bei Leipzig in den Befreiungskriegen gegen Napoleon gesetzt wurde. 1871 wurde dann die ‚Friedenseiche‘ gepflanzt als Erinnerung an das Ende des deutsch-französischen Krieges und an die Neugründung des Reiches. Beide Bäume auf dem Platz, der seinen Namen erst nach   der Errichtung des Denkmals für den Historiker Friedrich Christoph Schlosser im Jahre 1878 erhielt, sind durch eine schlichte Holztafel gekennzeichnet, deren Anbringung auf den früheren Archivar des Heimatvereins Friedrich Orth († 1989) zurückgeht.

Eine Metalltafel weist eine ganz in der Nähe gepflanzte junge Elsbeere, den Baum des Jahres 2011, als Geschenk der Kommunen und des Landkreises Friesland an die Stadt Jever aus zum Anlass des 475jährigen Stadtjubiläums in eben diesem Jahr.

Das Denkmal ‚Stadt und Land‘ vor dem Jobcenter des Landkreises war die letzte Station des Rundgangs. Diese von Schülern entworfene Arbeit stellt das Bildmotiv des vitruvianschen Menschen, einer Modellstudie von Leonardo da Vinci, dar, der sich aus seinem Urgrund erhebt und einen Baum umgreift.

Thematisiert wurde auch die Gedenkfunktion von Friedhofsbäumen. Auf den Weg über den jeverschen Friedhof mit seinen beeindruckenden  Trauerweiden, Säuleneiben, Gingkobäume und Hängeeschen wurde aber angesichts der kühlen Temperaturen verzichtet.

Doch trotz des kühlen Aprilwetters: Der Rundgang zum Tag des Baumes mit seiner  besonderen Form der Stadterfahrung über die auffälligen „Denkmalbäume“ fand bei allen Teilnehmern viel Resonanz.

Wie global wird die Nordsee?

Neobiota ("Neubürger"): Status quo und Perspektiven

 

Dienstag, 14. März 2017

 

Referent: Dr. Achim Wehrmann, Abteilung Meeresforschung

                Forschungsinstitut Senckenberg am Meer, Wilhelmshaven

 

Die Wollhandkrabbe (seit ca. 1900), die Amerikanische Scheiden- (Schwert-) muschel (seit Ende der 1970er Jahre) und in jüngster Zeit (seit ca. 2000) die Pazifische Auster stellen die bekanntesten Neubürger (Neobiota) in den Küstenbereichen der Nordsee dar. Sie und manche anderen Arten sind allesamt bei uns ursprünglich nicht heimisch, sondern durch menschliche Aktivitäten in diesen  vorher nicht von ihnen besiedelten Raum eingebracht worden und haben hier ein neues Verbreitungsgebiet gefunden.

Solche Bioinvasionen, also die Einschleppung und Ausbreitung gebietsfremder Arten, stellen ein zunehmendes Risiko für Ökosysteme und nicht zuletzt auch für den Menschen dar. Als eines der weltweit meistbefahrenen Seegebiete weist die südliche Nordsee eine hohe Anzahl von Neobiota auf und die Entwicklung scheint sich derzeit noch zu beschleunigen. Ursache für die Neu-Einwanderungen sind insbesondere der globale Schiffsverkehr (Stichwort Ballastwasser) und Aquakulturen.

Dr. Achim Wehrmann, der seit 1995 am Forschungsinstitut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven arbeitet, wird in seinem Vortrag einen Einblick in den derzeitigen Neobiota-Zustand im Bereich der niedersächsischen Küste geben, perspektivische Entwicklungen vor dem Hintergrund des Klimawandels aufzeigen und  Strategien und Handlungsempfehlungen für ein zukünftiges Bioinvasions-Management skizzieren.

Foto: M.Menke/ Interessierte

Kurzbericht

Über 60 interessierte Zuhörer konnte W. Menke zum vorletz-ten Vortrag des Winters 2016/17 begrüßen. Sie alle waren gekommen, um etwas über die Ostfriesischen Inseln zu erfahren, was sonst nur durch das Studium  entspre-chender Fachliteratur zu erlesen gewesen wäre. Referentin Dr. Friederike Bungenstock nahm sie mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, die in der Gegenwart endete.

Foto: M.Menke/ Referentin (li.) u. 1. Vors.

Helgoland ist die einzige deutsche Felseninsel, die aus verfestigtem Buntsandstein besteht, der aus 2 km Tiefe durch Salzkissen an die Ober-fläche gedrückt wurde. Die Nordfriesi-schen Inseln Sylt, Amrum und Föhr ge- hörten vor dem Mittelalter zum Fest-land und wurden durch Sturmfluten im MA davon abgetrennt.

Ganz anders die unserer Festlandsküste vorgelagerten Ostfriesischen Inseln. Sie entwickelten sich aus Sandbänken, die im Laufe von Jahrhunderten hochwasserfrei wurden. So konnten sich Dünen entstehen. Anhand der Kachelot-Plate westlich von Juist ist diese Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zu verfolgen. Und noch etwas: Die Ostfriesischen Inseln sind älter als allgemein gedacht wird. Anhand von Bohrungen gehen die Wissen-schaftler von einem Alter von ca. 6000 Jahren aus. Auch findet keine West-Ost-Verlagerung der "Ostfriesen" statt, sondern sie wandern von Nord nach Süd. Die empfundene West-Ostdrift ist mehr eine Ausdehnung der Inselfläche. Soweit die Ausführungen von Frau Bungenstock.

Übrigens: Wer sich die Reihenfolge der "Ostfriesen" nicht merken kann, dem sei der folgende Merksatz ans Herz gelegt: "Welcher Seemann liegt bei Nacht im Bett" = Inselreihenfolge von Ost nach West.

Die Ostfriesischen Inseln -

Aufbau, Alter und Entstehungstheorien

 

Dienstag, 14. Februar 2017

 

Referentin: Dr. Friederike Bungenstock, Niedersächsisches Institut für

                   historische Küstenforschung Wilhelmshaven

 

Die Ostfriesischen Inseln sind typische Düneninseln. Als Kette angeordnet liegen sie im Vorfeld der ostfriesischen Halbinsel. Sie sind aufgebaut aus Sand, der sich im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieges durch Strömungen, Seegang und Wind an unserer heutigen Küste anreicherte. Charakteristisch sind die bis zu 20 m hohen Dünen.

So anschaulich die ostfriesischen Inseln uns allen vor Augen stehen,  so geben sie doch aus geologischer Sicht noch einige Rätsel auf, denen mit dem Vortrag nachgegangen werden soll:

Wie sind die ostfriesischen Inseln entstanden?

Wann sind sie entstanden?

Und wie entwickeln sie sich bei steigendem Meeresspiegel?

Die Referentin gibt einen Überblick über die nacheiszeitliche Entwicklung unserer Küste, d. h. über die letzten 11 000 Jahre, und geht dann auf verschiedene Theorien zur Entstehung der Inseln ein. Außerdem stellt sie geologische Untersuchungen vor, die auf den Inseln durchgeführt wurden, und erläutert deren Ergebnisse.

Auch wenn heute sicher noch nicht alle Wissenslücken geschlossen werden können, verspricht der Vortrag die Zuhörer auf den derzeitigen Stand der Erkenntnisse - aus geologischer Sicht – über die „Perlen der Nordsee“ zu bringen.

Foto: M. Menke/ M. Penning (li.), W. Menke

Kurzbericht

Auf die erhoffte große Resonanz stieß der Vortrag zur Wasserversorgung im Küs- tenraum durch Markus Penning. Sein Fazit: Wasserknappheit ist kein Thema, die Qualität des Trinkwassers ist noch hervorragend. Aber: Eine ständige Stei- gerung der Fördermengen ist im Küsten- raum nicht möglich, da die Gefahr besteht, dass Salzwasser in das Grund-wasser eindringt und es dann nur unter erheblichem Kostenaufwand zu Trinkwasser aufbereitet werden kann. Das größere Problem sind die Nitrate. Während im tiefen Grundwasser - von hier fördern die Trinkwasserbrunnen - der Nitratgehalt noch gering ist, beträgt er im jungen Grundwasser aus höheren Bodenschichten z. B. in Gebieten im Süden des Oldenburger Landes das Vierfache des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter. Bedingt ist dies durch die intensivst-landwirtschaftliche Nutzung mit dem Ausbringen von immensen Mengen an tierischen Fäkalien. Hier versucht der OOWV gegenzu-steuern, indem mit Landwirten Partnerschaften zur Nitratreduzierung einge-gangen werden. Auch hier kostet die Wasseraufbereitung viel Geld.

Foto: Maria Menke/ Zehn Minuten vor Beginn: Der Saal füllt sich; schließlich waren mehr als 70 Gäste anwesend

Die Wasserversorgung im Küstenraum

 

Dienstag, 24. Januar 2017

 

Referent: Dipl.-Geologe Markus Penning, Abteilungsleiter Hydrogeologie

                und Hydrochemie beim OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer

                Wasserverband)

 

Das von den Wasserwerken in den Geestgebieten des Küstenraumes gewonnene und in unsere Leitungen eingespeiste Trinkwasser hat einen guten Ruf. So ist es aufgrund des geringen Härtegrads hervorragend zu Teebereitung geeignet, nicht umsonst gilt Ost-Friesland als die Teehochburg Deutschlands.

Aber wie ist es wirklich um unser Trinkwasser bestellt? Steht es in genügender Menge zur Verfügung? Wie groß ist die Gefahr von Belastungen durch Nitrat oder Rückstände von Medikamenten? Inwieweit muss Wasser aus verschiedenen Fördergebieten „verschnitten“ werden, um Grenzwerte von Belastungen einzuhalten?   Droht eine Versalzung des Grundwassers in Küstennähe durch den Meeresspiegelanstieg? Inwieweit nimmt die Neubildung von Grundwasser durch zunehmende Versiegelung von Oberflächen ab? Können sich die Ostfriesischen Inseln auch während der touristischen Hochsaison ausreichend mit Wasser versorgen? Diese und weitere Fragen stellen sich zunehmend.

Antworten gibt Markus Penning, Diplom-Geologe und Abteilungsleiter für Hydrochemie, Landwirtschaft und Boden  beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband  (OOWV). Gespannt darf man auch auf die dem Vortrag folgende Diskussion sein.

Hier finden Sie uns

WAU e.V.

Werner Menke

Ibenweg 7

26441 Jever

Kontakt

Tel.: 04461 4298

 

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zuletzt aktualisiert:

23.10.2017