|
Rundbrief: Oktober 2010
An die Freunde und Mitglieder der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU)
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Mitglieder,
in der Anlage übersenden wir Ihnen das Programm für den kommenden Winter. Es umfasst fünf Vorträge. Bitte beachten Sie die Abweichung in Ort und Zeit beim ersten Vortrag. Sie finden unsere Veranstaltungshinweise übrigens auch auf der Homepage der WAU (wau-jever.de).
Stehen im Winterhalbjahr hauptsächlich Vorträge auf unserem Programm, so bieten wir im Sommer in erster Linie Führungen und Exkursionen an. Dazu gehören die zur Touristensaison veranstalteten Salzwiesenführungen im Elisabeth-Außengroden, die sich selbstverständlich nicht allein an Urlaubsgäste, sondern ebenso an Einheimische wenden.
Von den übrigen Veranstaltungen der letzten Monate seien einige erwähnt, die besonders großen Publikumszuspruch fanden. So führte am 7. Juli Christian Finkenstaedt, Hausherr und exzellenter Kenner des Gebietes, eine große Gruppe auf verschlungenen Pfaden durch den Barkeler Busch, nahmen am 28. August trotz vorausgegangener Schlechtwetterperiode gut zwanzig Teilnehmer an der biologischen Wattwanderung nach Spiekeroog teil und fanden sich über fünfzig Interessierte zu der am 19. September von Dr. Martin Baurmann angebotenen pilzkundlichen Exkursion im Forst Upjever ein. Führungen im Bereich der Clevernser Sietwendung und des nordwestlichen Ortsrands von Jever mit seinem Übergang von Geest zur Marsch sowie eine „Stiefelwanderung“ durch die Salzwiese bei Cäciliengroden rundeten das Programm ab.
Sehr gut angenommen wurde die vielfältigen Veranstaltungen im Rahmen der 2. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Mitglieder der WAU standen auf dem Beobachtungsturm am Vareler Hafen, um Besuchern fachkundige Auskünfte zu geben, oder wirkten mit bei Veranstaltungen des Nationalpark-Hauses in Carolinensiel. Der Schwerpunkt unserer Aktivitäten lag aber in den gemeinsam mit dem Nordseehaus in Minsen durchgeführten Programmpunkten. Zu nennen sind hier besonders die Exkursion zu Hochwasserrastplätzen am 10. Oktober, bei der im Elisabethgroden weit mehr als 1000 Goldregenpfeifer zur Beobachtung kamen, der frühmorgendliche Schiffstörn auf der Spur der Gänse im Jaderevier am 15. 10. und der sehr gut besuchte Vortrag von Peter Südbeck im Nordseehaus ebenfalls am 15. 10.
Bei diesen Veranstaltungen bewährte sich wieder einmal die gute Zusammenarbeit zwischen der WAU und dem Nordseehaus in Minsen, zu dessen Trägergemeinschaft die WAU gehört. Auch wenn die Durchführung der Zugvogeltage für unser Vereinsmitglied Ralf Sinning, den Leiter des Nordseehauses, und sein Team eine erhebliche Mehrarbeit bedeutete, wurde diese mit hoher Motivation geleistet. Und derzeit laufen schon die Planungen für die 3. Zugvogeltage vom 22. – 30. Oktober 2011.
Das Nordseehaus in Minsen war auch der Ort eines Treffens der Vogelzähler in den von der WAU betreuten Zählgebieten, die den Küstenbereich von Neuharlingersiel bis Wapelersiel sowie einzelne binnenländische Gebiete umfassen. Am 18. September trafen sich die Zähler zum Erfahrungsaustausch. Der Ornithologe und Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Gundolf Reichert referierte in zwei Vorträgen über Bestandstrends bei Brut- und Rastvögeln an der Küste. Markus Saefken zeigte Vogelbilder, die er am Wangermeer bei Hohenkirchen per Digiskopie aufgenommen hatte.
Am dort bereits vorhandenen See, vor allem aber auf den noch nicht endgültig ausgestalteten Kleiabbaupütten lassen sich, besonders zur Zugzeit, viele Arten beobachten, so Bekassine, Kampfläufer, Säbelschnäbler, Flussregenpfeifer u. v. a.m. Es bleibt zu hoffen (und darauf hinzuwirken!), dass der künftige See und seine Uferflächen nicht ausschließlich der touristischen Nutzung gewidmet werden, sondern ein Teil auch stärker der Natur vorbehalten bleibt.
Erwähnung finden soll auch die Mitarbeit der WAU beim Wiesenweihenprogramm des Landkreises Friesland. Wie schon seit mehreren Jahren verwendeten Ulrich Appel, Erich Becker und Hubert Clodius auch im letzten Sommer viel Beobachtungszeit darauf, Neststandorte der Wiesenweihe in Getreidefeldern ausfindig zu machen (im nächsten Jahr wird auch unser Neumitglied Rolf Jenckel mit von der Partie sein). Die Nestbereiche werden dann markiert, so dass der Landwirt sie beim Mähen aussparen kann. 2010 wurden im Wangerland so zwei Gelege gefunden, aus denen sechs Junge schlüpften, die von Olaf Geiter (Leiter der Beringungszentrale beim Institut für Vogelforschung und ebenfalls Neumitglied der WAU) beringt worden sind.
Im Hinblick auf mögliche Seeschwalbenbruten am Speicherpolder Horumersiel gibt es dagegen eine Fehlanzeige zu machen. Auch im zweiten Jahr wurde das auf Betreiben der WAU dort ausgebrachte Floß noch nicht von Flussseeschwalben angenommen. Hoffen wir auf die Zukunft. Immerhin hat wie im Vorjahr auch 2010 ein Austernfischerpaar auf dem Kies gebrütet, so dass der Name ‚Brutfloß’ durchaus berechtigt ist.
Hier ist nicht der Platz, alle interessanten Beobachtungen der letzten Zeit aufzulisten. Erwähnt seien nur einige „Großvögel“. So hielten sich zeitweise mindestens zwei Schwarzstörche für längere Zeit im nördlichen Wangerland auf, von August bis Oktober wurden immer wieder Beobachtungen gemeldet. Ein bis drei Weißstörche sind derzeit noch im näheren Umkreis von Jever regelmäßig zu sehen. Vermutlich handelt es sich um Individuen mit zurückentwickeltem Zugtrieb. Die Vögel sind z. T. beringt, leider konnten die Ringe aber bisher nicht abgelesen werden, so dass über die „Vorgeschichte“ der Individuen keine Aussage gemacht werden kann. Erwähnenswert ist auch ein größerer Kranichtrupp, der Anfang Oktober über Schortens gesehen wurde. Normalerweise führen die Zugstraßen der Kraniche nicht über unsere Küstenregion, so dass man hier nur sehr gelegentlich kleinere Trupps sieht.
In diesem Zusammenhang sei noch einmal die Bitte geäußert, uns zu benachrichtigen, wenn Sie interessante und auffällige Beobachtungen machen.
Kommen wir zum Schluss noch einmal auf den Zyklus der Wintervorträge zurück und sprechen wir auch in diesem Zusammenhang eine Bitte aus: Machen sie etwas Werbung für unsere Veranstaltungen, bringen Sie Freunde und Bekannte zu den Vorträgen mit. Die Referenten, ausgewesene Fachleute auf ihrem Gebiet, haben ein zahlreiches Publikum verdient!
Wir wünschen Ihnen für die restlichen Wochen des Jahres 2010 (und natürlich auch darüber hinaus) alles Gute und grüßen Sie ganz herzlich.
Werner Menke und Michael Hintze
|