Chronik 2019

Kartoffelrose und Nadelkraut - Botanische Neubürger

auf den Ostfriesischen Inseln - Gefahr oder Bereicherung?

 

Dienstag, 26. März 2019

 

Referent: PD Dr. Holger Freund, Institut für Chemie und Biologie des

              Meeres, Universität Oldenburg

 

Eine Nebenwirkung des globalen Handels- und Reiseverkehrs ist, dass dadurch auch Tier- und Pflanzenarten in Regionen verfrachtet werden können, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Wenn sie sich dort dauerhaft ansiedeln, kann man von tierischen oder pflanzlichen Neubürgern sprechen oder -  in der Fachsprache - von Neozoen und Neophyten. Diese Neubürger können zur Bereicherung der Artenvielfalt einer Region beitragen. Sie können aber auch eine Bedrohung bedeuten, wenn sie einheimische Arten verdrängen oder bestehende Lebensräume erheblich verändern. In diesem Fall spricht man von ‚invasiven Arten‘, die in besonderen Listen erfasst werden und deren weitere Verbreitung kontrolliert und wenn nötig auch bekämpft wird.

Der Vortrag von Dr. Holger Freund vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres setzt sich mit der Frage ‚Bereicherung oder Gefahr‘ am Beispiel von botanischen Neubürgern (Neophyten) auf den Ostfriesischen Inseln auseinander. Mit Strand, Dünen und Salzwiesen weisen diese Lebensräume mit ganz besonderen Bedingungen auf; bei den hier wachsenden Pflanzen handelt es sich Spezialisten, die daran in hohem Maße angepasst sind. Möglicherweise sind diese Arten durch eingewanderte Konkurrenten besonders gefährdet. Und solche invasiven Arten wie die Kartoffelrose, das Schmalblättrige Greiskraut und das Nadelkraut  sind auf den Inseln zunehmend bekannt und dokumentiert. Im Zuge des Klimawandels könnten bereits eingewanderte bzw. noch einwandernde Arten in Zukunft womöglich noch verstärkt profitieren und neue Lebensräume erobern.

Der Vortrag wird an ausgewählten Beispielen zunächst die natürliche Abfolge der Pflanzengesellschaften auf den Ostfriesischen  Inseln vorstellen und Florenveränderungen generell aufzeigen, um dann auf konkrete Verbreitungsbeispiele und die historische Entwicklung einzelner Neubürger einzugehen.

Geheimnisvolle Welt der Tiefe -

Die erstaunliche Unterwasserfauna der Nordsee

 

Dienstag, 19. Februar 2019

(vorverlegt vom 26.03.)

 

Referent: Dr. Alexander Stollenz, Wattenmeer-Besucherzentrum WHV

 

Anders als man es von Bildern tropischer Meere kennt, erscheint das Wasser an der Nordseeküste eher grau als blau. Das liegt an den vielen organischen (Plankton) und anorganischen Schwebstoffen (Sediment-fracht), die auch dazu führen, dass das Meer vor unserer Küste keine große Sichttiefe aufweist. Vieles, was sich unter der Oberfläche abspielt, bleibt unseren Augen daher verborgen. Damit entgeht den meisten eine Unterwasserwelt, die auch hohen ästhetischen Reiz hat: Eine Qualle, die an Land wie eine unansehnliche gelatinöse Masse aussieht, entpuppt sich unter Wasser als filigranes Geschöpf, welches seine Tentakeln wie eine Hochzeitsschleppe hinter sich herzieht, an Buhnen und Steganlagen blüht das Leben, ähnlich einem Korallenriff, in sämtlichen Farben und Formen. Neben zarten Grün- und Rotalgen sitzen türkis gefärbte Seeanemonen, gelbe Schwämme und weiße oder rosafarbene Seescheiden, zwischen denen Garnelen mit blau - gelb geringelten Scheren umherschwimmen oder sich zeitlupenartig bewegende Seenadeln auf Nahrungssuche gehen. In seinem Vortrag wird der Biologe Dr. Alexander Stollenz diese den meisten unbekannte Unterwasserfauna mit eindrucksvollen Makrofotos vorstellen.

Das blaue Regal – Die globale Verschmutzung der Meere

 

Dienstag, 22. Januar 2019

 

Referent: Prof. Dr. André Freiwald, Forschungsinstitut Senckenberg

              am Meer, Wilhelmshaven

Netzreste in 800 m Tiefe, Kontinentalhang IRL ; Foto: MARUM Universität Bremen

Schiffsabfälle wurden früher in vielen Fällen über die Reling direkt ins Meer entsorgt. Die Seeleute sprachen salopp vom „blauen Regal“, das als Endlager den an Bord produzierten Müll aufnahm.

Auch wenn diese Form der Abfall-beseitigung inzwischen verpönt ist, nimmt die Verschmutzung der Meere insgesamt noch zu. Immer wieder erschreckend sind z. B. die Bilder von den riesigen Mengen an Plastikmüll, die im Meer treiben. Selbst in den entlegensten Meeresgebieten der Arktis und der Antarktis sowie am tiefsten Punkt der Erde, im Marianengraben in 11 km Tiefe, finden sich Spuren unserer Zivilisation.

Prof. Freiwald hat bei seinen Expeditionen, bei denen er mit Unterwasser-robotern den Meeresboden untersucht, viele Zeugnisse der Verschmut-zung gefunden und wird diese in seinem Vortrag an anschaulichen Beispielen eindringlich vor Augen führen. Er versucht aber auch Wege aufzuzeigen, wie die Müllflut eingedämmt werden kann.

Die globale Verschmutzung der Meere – das ist ein hochaktuelles und brisantes Thema, zu dem die Zuhörer einen spannenden und infor-mativen Vortrag erwarten dürfen, an den sich sicher noch eine angeregte Diskussion anschließen wird.

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Zuletzt aktualisiert:

14.10.2019